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Mit "Professor S." auf Zeitreise: 3 Fragen an... Gamesentwickler Jan von Meppen

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Die Berliner Firma LudInc ist mit „Professor S.“ für den Deutschen Computerspielpreis 2016 als „Bestes Serious Game“ nominiert. Das Medienboard-geförderte interaktive Echtzeitspiel wurde zusammen mit sieben Berliner Grundschulen entwickelt.


Darum geht´s: Der Rahmen des Spiels mit ständig wachsenden Varianten ist die Zeitreise des Professor S., der immer wieder die Schüler um Mithilfe bittet. Die Verbindung zwischen dem Forscher und den Kindern wird über eine kleine Zeitmaschine hergestellt, mit dessen Hilfe sich sowohl Text- und Videonachrichten als auch reale Gegenstände verschicken lassen. Trailer anschauen

LudInc-Geschäftsführer Jan von Meppen beantwortet uns 3 Fragen um das Spiel zu erklären :


Medienboard: Herzlichen Glückwunsch zur Nominierung! Bevor Sie mit „Professor S.“ gestartet sind, haben Sie als Komponist gearbeitet. Wie kam es zu der Idee, ein Computerspiel für Grundschüler zu entwickeln?

Den Weg, der zu der Idee zu Professor S. geführt hat, hätte ich im Traum nicht planen können. Die Weichen dazu haben sich an verschiedenen Punkten in meinem Leben gestellt. Ich sollte an einer Grundschule einen Server installieren. Und, als die Arbeit getan war, fragte mich die Schulleiterin, die wusste, dass ich Erfahrung mit Filmproduktionen hatte, ob ich für die Schule einen Imagefilm herstellen könnte. Spontan habe ich ihr meine Idee erklärt. Sie hat kurz überlegt und zugestimmt, es mal zu probieren. Ich bekam von der Schule Lehrer und Räume zum Entwickeln gestellt und bald kamen auch andere Schulen dazu, die das Spiel ausprobieren wollten - so hat alles begonnen.

Wie funktioniert Professor S. und wie kann es den Unterricht verändern?

Mit “Professor S.” erleben Kinder eine Geschichte auf eine ganz neue Art. Das Besondere dabei: In unserer Geschichte sind die Kinder selbst Teil des Abenteuers und tragen aktiv zum Verlauf der Erzählung bei. Sie treten in einen Dialog mit den Figuren, die sie bei kniffligen Herausforderungen unterstützen müssen – in der Welt der Geschichte, aber vor allem in der echten Welt. Wir nennen das “Echtweltspiel”.

Die Geschichte über eine liebenswerte Zeitreise-Crew wird mit neuen und traditionellen Medien erzählt. Aber “Professor S.” ist mehr als nur gute Unterhaltung. Über eine Online-Plattform regen erzählerische Impulse die Kinder an, sich mit ihrer ganz realen Umwelt auseinanderzusetzen. “Wie lese ich eine Karte?”, “Welche Sprache sprechen Wale?”, “Wie konstruiere ich einen Turm?”. Fragen wie diese beschäftigen unsere Figuren, und damit auch die Kinder. Elemente des Spiels begegnen den Kindern in ihrer Welt und gleichzeitig formen sie mit ihren Ideen die Welt des Spiels. So findet ein direkter Austausch zwischen der echten Welt und dem Universum der Geschichte statt. Über die Geschichte bekommen die Lerninhalte einen Kontext in dem die Kinder selbst zu kleinen Lehrern werden.

Inzwischen arbeiten 51 Schulen deutschlandweit mit „Professor S.“. Wie sind die Rückmeldungen von den Schülern und Lehrern und was sind Ihre weiteren Pläne für das Spiel?

"Professor S." ist bei den Kindern sehr beliebt, sie setzen sich sehr intensiv mit der Geschichte auseinander. So wird die Pausenklingel beim Spielen häufig ignoriert. Das Spielerlebnis ist sehr nachhaltig, so dass die Kinder oft  noch Jahre später nach "Professor S." fragen. Aber auch die Lehrer finden "Professor S." toll überraschenderweise nicht nur junge, medienaffine Lehrer sondern auch Lehrer, die sich normalerweise nicht mit Computern im Unterricht beschäftigen würden. Video Lehrerreaktionen

Was gut ankommt ist auch die Tatsache, dass viele Aufgaben eben nicht am Rechner sondern in der realen Welt gelöst werden. Die vielleicht schönste Rückmeldung für uns war, dass Kinder, die sich am Unterricht nur selten beteiligen bei der Arbeit mit "Professor S." oft unerwartete Leistungen bringen. Für uns als Spielentwickler ist das ein wirklich tolles Ergebnis! Im nächsten Schritt sollen die Kinder "Professor S." auch von zuhause spielen können - und zwar nicht nur in Deutschland sondern auch in Großbritannien und den USA. Das wird uns in den kommenden Monaten gut beschäftigen.